Das große Ziel vieler Wünsche:

der Wandermarathon auf dem Uplandsteig in Willingen

von Hans Görzen

Der Name Marathon entstammt dem Ort, von dem ein Läufer die Nachricht vom Sieg der Griechen über die Perser 490 v. Chr. nach Athen überbracht haben soll. Heute ist Marathon eine olympische Disziplin über 42.195 Kilometer und weltweit verbreitet. Auch der Upländer Gebirgsverein (UGV) bot diese Laufveranstaltung auf dem zertifizierten Uplandsteig in diesem Jahr 2018 zum 4. Mal infolge an. Und nicht nur 42 Kilometer, sondern auch weitere Varianten wie Halbmarathon (21 km) und sogar der gesamte Uplandsteig mit seinen 66 km Länge konnte bewältigt werden.

Je nach Motivation und Kondition trafen die ersten Teilnehmer am Besucherzentrum ein, um am 66-Kilometer Mammutmarsch teilzunehmen. Das Wetter präsentierte sich sonnig mit einzelnen weißen Wolken. Nach kurzer Begrüßung und Einweisung startete die erste Gruppe mit 25 ehrgeizigen Extremwanderern um 6:00 Uhr. Diese Wanderdistanz ist eine besondere Herausforderung und zugleich Aufforderung, seine Kräfte sinnvoll einzuteilen. Zugleich mussten auch zusätzlich 1500 Höhenmeter überwunden werden. Für die Athleten der 42-Kilometer Wanderstrecke war Eimelrod als Startort vorgesehen. Hieran beteiligten sich 68 Teilnehmer. Die Jüngste von ihnen zählte erst 14 Jahre. Wow, einfach toll! Und "Auf'm Knoll" begann die 21-Kilometer Etappe der 3. Gruppe. Hierfür entschieden sich 58 naturverbundene Läufer. Somit haben sich an der Veranstaltung insgesamt 151 Personen beteiligt. Damit die Teilnehmer die Strecken auch meistern konnten, war eine gute Wanderausrüstung von großer Bedeutung.

Wichtig war gutes Schuhwerk, denn die Strecke verlief über Stock und Stein, auf Wegen und schmalen Pfaden. Eine funktionelle Wanderbekleidung war deshalb äußerst sinnvoll. Sinnvoll auch ein Vortraining, um seine Kräfte langsam zu steigern, um somit den Marathon bestehen zu können. Hierzu gehörten auch 5 Versorgungsstellen und Kontrollpunkte, an denen die ermüdeten und zum Teil schweißgebadeten Läufer mit Buttermilch und Müsli sowie mit anderen diversen Köstlichkeiten versorgt wurden. Insgesamt waren 21 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Zusätzlich stand ein Notdienst bereit, um erschöpfte Wanderer abzuholen.

Neben der körperlichen Herausforderung bieten diese Langstrecken-Wanderungen auch reizvolle Landschaften an. So verläuft die Etappe komplett auf dem zertifizierten Qualitätsweg Uplandsteig. Man erkennt ihn am geschwungenen, weißen U auf schwarzem Grund - Uplandsteig auf schwarzem Untergrund. Ein großer Teil führt über naturbelassene Wege, mithin eine Wohltat für die stark belasteten Füße. Ständig verändert der Steig sein Gesicht. Mal sind es tolle Aussichten, mal schmale, lange Täler. Und dann wiederum grüne, blühende Wiesen und tiefe Wälder. Sogar Sumpflandschaften und Bergheide zwischen Willingen und Niedersfeld sind hier anzutreffen. Die Hochheide ist ein europaweit einzigartiger, charakteristischer Lebensraum, er steht unter Naturschutz und ist FFH-Gebiet (Fauna, Flora, Habitat). Für sportliche Wanderer eine perfekte Naturkulisse, um hier seine Grenzen auf individuelle Art und Weise auszuloten.

Das schien auch gelungen zu sein, denn die Zustimmung zu diesem Lauf war riesig. So bedankten sich viele bei der Rückkehr für die gut organisierte und mit viel Herzblut durchgeführte Veranstaltung. Darunter war auch Thomas Bludau aus Dortmund. Und Wilfried Hoyer schrieb: Ich habe die 42-km-Strecke erfolgreich absolviert. Sie hatte mir wiederum sehr gut gefallen, auch wenn ich von Lingen anreisen musste. Es hat sich wirklich gelohnt, danke! Eine weitere Zuschrift erreichte uns von Dirk Bödefeld aus Korbach. Hier seine Nachricht: "Vielen Dank für die Ausrichtung des Wandermarathons. Ich war gerne dabei, und würde mich über eine erneute Ausrichtung riesig freuen". Er formulierte auch einige gut gemeinte Anregungen, um Versorgungsabläufe weiter zu verbessern. Gut so: denn nichts ist so gut, als dass es nicht noch besser gemacht werden könnte.

Am späten Nachmittag trafen auch die letzten Marathon-Wanderer im Besucherzentrum ein. Für die meisten war es ein erlösender Zieleinlauf. Alle waren müde und erschöpft, aber überglücklich, es geschafft zu haben. Nach der Übergabe der Urkunden gab es stets eine kleine Aufmunterung mit Kaffee und Kuchen, was alle als ganz angenehm empfanden. Hierbei wurden Erfahrungen und Erlebnisse über die schönsten Momente dieses Marathons ausgetauscht. Wir vom Upländer Gebirgsverein Willingen hoffen, dass diese schönen Erinnerungen nachhaltig wirken, und sagen "Tschüs" bis zum nächsten Jahr.



Uplandsteig Wandermarathon 2018 – Ein Landschaftstraum!

von Andreas Bangert

"Der gesamte Uplandsteig lässt sich in 3 Tagesetappen (3 x 22 km) gut bewältigen", so der Autorentipp auf diversen Internetportalen.

— Laaaaaaaaaangweilig — Das kann ja jeder!

Immer wieder der gleiche Gedanke und schwups ist man schon wieder angemeldet und steht morgens um 6 Uhr am Start, obwohl man doch schon bei jedem Marathon zuvor die Worte "nie wieder" in den Mund genommen hatte.

Und dann ist es doch wieder passiert. Nach 94.286 Schritten in 11Std. 21 Minuten, knapp 1500 bewältigten Höhenmetern und 7847 verbrannten Kilokalorien, stehe ich mit zwei Blasen am linken Fuß, Schmerzen im linken Knie und einem gehörigen Muskelkater im Ziel, nehme Urkunde und Pin entgegen und sage: – wie könnte es auch anders sein – "Nie wieder!"

So jedenfalls die Kurzfassung vom Uplandsteig Wandermarathon 2018

Kurz und knapp alle wichtigen Daten zu Papier bringen sollte eigentlich reichen, aber wenn man vor, während und nach dem Marathon schon angesprochen wird, ob man wieder "was schreibt", kann man seine "Fans" ja nicht nur mit drei Zeilen abspeisen.

Die vierte Auflage des Wandermarathons stand wieder unter einem guten Stern. Bilderbuchwetter und trotz der Eisheiligen auch angenehm warm zum Wandern. 6 Uhr symbolischer Startschuss an der Wandertafel vor dem Besucherzentrum. "Euch allen frisch auf und viel Spaß!", "Los geht’s!" – "Halt stopp! Da fehlen noch zwei!", also wieder zurück auf die Fotoposition und nochmal das Ganze. Lächeln, Foto, Startschuss und ohne was getan zu haben schon raus aus dem Zeitplan.

Das Starterfeld im allgemeinen wird wohl jedes Jahr größer. Man sieht jedes Jahr viele bekannte Gesichter und auch immer wieder neue. Und so folgt meist auf die Frage: "Ihr scheint das ja öfter zu machen!?" und auf die flapsige, aber dennoch ernst gemeinte Antwort: "Nein, eigentlich wandern wir nur einmal im Jahr!", ein irritiertes Schweigen.

Wie im Jahr zuvor ging es wieder im Uhrzeigersinn über den Uplandsteig. Eigentlich schade, weil er in die Gegenrichtung doch etwas anspruchsvoller ist. Mal ganz ohne Zeitdruck eine fixe Distanz zurückzulegen ist doch was Schönes, so der Verstand. Und die Unvernunft guckt zwischendurch immer wieder auf die Uhr und vergleicht mit den Vorjahren. Und schon hätte ich fast den Stock von Jan vor der Rübe gehabt. "Hör auf, auf die Uhr zu gucken, wir wollen einfach ankommen!" – Ja ja, bla bla – Wenn ich in den letzten Jahren eins gelernt habe, dann ist es nicht vernünftig zu sein, sondern das die Vernunft in die Gestalt jeder erdenklichen Person in meinem Umfeld schlüpfen kann. Diesmal nahm sie mal wieder die Gestalt von Jan an.

Also gemächlich wandern, Landschaft genießen und ankommen. Ersteres klappte auf gerader Strecke und bergab ganz gut, bergauf musste ich meinen eigenen (schnellen) Schritt gehen – Bergsprint! Rauf geht immer! Und landschaftlich ist unser Upland einfach ein Genuss. Bei Bilderbuchwetter klotzt es nur so mit Fernsichten. Wer sich das entgehen lässt, ist selber schuld.

Kurz hinter dem Cafe Fernblick waren wir uns schon sicher: Jetzt sind wir auf dem Heimweg. Schwalefeld, Rattlar, Hemmighausen und Eimelrod lagen (gefühlt) schnell hinter uns. Locker fröhlich und wie gewohnt mit viel Blödsinn auf den Lippen, wurden die Stempel gesammelt. Die Etappe von Eimelrod über Nerdar nach Bömighausen, ist eigentlich immer die Schnellste und somit wurde nach 5 Std. 20 Minuten die dritte Stempelstelle erreicht und nach einer kleinen Stärkung die zweite Hälfte des Tages in Angriff genommen.

Schmerzen im Knie machten gerade die kurzen Bergabpassagen zu einer Qual für mich und so musste ich Jan ab der Graf Stolberg Hütte erstmal ziehen lassen. Aufhören oder weitergehen? Meine Vernunft war schon seit 10 Minuten auf dem Weg Richtung Streit, also musste ich ja hinterher. Kurz hinter dem "Toten Mann" hatte ich sie dann auch schon wieder eingeholt. Die Fragen "wie?" und "warum?" ließ ich an mir abprallen und ging einfach weiter.

Kurz vor der Hochheide dann nochmal stärken und kurz sitzen. Wieder ließ ich Jan ein paar Minuten Vorsprung, um dann in meinem Tempo hinterher zu gehen. Den Clemensberg links liegen gelassen, an der Hochheidehütte vorbei auf den Langenberg. Die Freude über die geschafften Höhenmeter und den zugleich höchsten Punkt der Strecke erreicht zu haben, hielt nur kurz an. Hoch ging, aber jetzt ging es ja nur noch bergab. *Piieep!*

Mehr und mehr kam der Wunsch nach meinem Mountainbike in meinem Kopf zum Vorschein, aber nein das war ja ein Wandermarathon – also zu Fuß weiter! Endlich am Richtplatz angekommen, empfingen mich strahlende Gesichter.

Ise: "Andreas, wie geht es dir?"
Ich: "Ach Ise, wenn ich Dich sehe gleich 1000mal besser!"
Ise: "Warum gehst du nicht nur die 42 km?"
Ich: "Weil sich sonst zu viele verlaufen würden!"


Wenn man eins nicht verlieren darf, dann ist das wohl den Humor (auch wenn es nur Galgenhumor ist). Mit Spaß geht doch vieles etwas leichter. Nach einer kurzen Pause wollte ich mich einer kleinen Gruppe der Mittelstrecke anschließen, allerdings waren sie mir nach knapp 200 m doch zu langsam. Am Ritzhagen angekommen, entschloss ich mich dann, die Asphaltstraße für den Abstieg zu nehmen um mein Knie ein wenig zu schonen.

Unten angekommen, traf ich auch wieder auf Jan. Die letzten Meter bis ins Ziel legten wir dann wieder gemeinsam zurück. Im Anschluss daran der jährlich gleiche Dialog mit Helmut:

Ich: "Nie wieder!"
Helmut: "14 Tage vor dem nächsten Marathon rufe ich dich an und frage nur 21, 42 oder 66. Bis nächstes Jahr!"


Und was lernt man daraus? – Eine immer wieder gern gestellte Frage! – Gelernt hab ich nur eins: "Wanderschuhe müssen so sein wie der Arsch vom Chef. Wenn man rein tritt muss man sich wohlfühlen." Ansonsten bin ich wohl unbelehrbar...

Diesen Bericht, inkl. Fotos gibt es auf challenge-of-my-life.de/uplandsteig-2018

Impressionen vom 4. Wandermarathon am 12. Mai 2018 in Willingen